Arbeitskreis Regionalgeschichte

Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V.
Im Dorn 7, 31535 Neustadt
Tel.: 05032/61705 * Fax.: 05032/1879
Mail: ak.reg@t-online.de
Net : www.ak-regionalgeschichte.de

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Geschichtsforschung und Öffentlichkeitsarbeit

Weil in den offiziellen Ortschroniken die Zeit des Nationalsozialismus verschwiegen wurde, fand sich in Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) 1981 ein Arbeitskreis historisch interessierter BügerInnen zusammen, die sich mit der tabuisierten Geschichte des früheren Landkreises und der Stadt Neustadt auseinandersetzen wollten. Zunächst wurden dem Vorhaben, die NS-Zeit im konkreten ortsbezogenen Rahmen zu erforschen, von offizieller Seite erhebliche Schwierigkeiten gemacht. So wurde der Zutritt zum Stadtarchiv untersagt, gut besuchte Veranstaltungen an der damaligen Kreisvolkshochschule Hannover zum Thema ersatzlos gestrichen und städtische Zuschüsse für Publikationen zur Geschichte der Zeit zwischen 1933 und 1945 verweigert. Unsere erste Dokumentation wurde 1983 in Neustadt zum Skandal und konnte nur unter dem Ladentisch verkauft werden, was ihrem Absatz  jedoch keinen Abbruch tat. Das Interesse war riesig. Die vielen positiven Reaktionen ermutigten uns weiterzumachen. Dafür waren unabhängige Strukturen notwendig: 1994 wurden ein gemeinnütziger Verein und ein Verlag gegründet.

Ohne das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement der Aktiven wären die aufwändigen Forschungs- und Publikationsarbeiten unmöglich gewesen.

Bald zeigte sich, dass wir uns bei unserer Arbeit nicht auf die Region Hannover beschränken konnten. Das Schicksal der Neustädter Jüdinnen und Juden war vor Ort nicht aufzuklären. Wir folgten den Spuren der aus Neustadt Geflohenen nach Hannover, Bremen, Hamburg, Amsterdam und Auschwitz – um nur einige Orte zu nennen. Zur Aufklärung der geheim gehaltenen Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf reisten wir erst nach Freiburg/Breisgau und dann nach Gernika (Guernica) ins spanische Baskenland.

Auch als wir uns anderen Themen zuwendeten, z. B. der Geschichte der Hexenprozesse im Fürstentum Calenberg-Göttingen im 16. Jahrhundert, zeigte sich bald, dass auch diese Ereignisse ohne die Kenntnis der Reformation in Deutschland und der Revolution in den Niederlanden kaum verständlich waren.

Einmal mehr wurde deutlich, dass regionale Geschichtsschreibung nur dann sinnvoll betrieben werden kann, wenn überregionale Vorgänge und Strukturen mit einbezogen und reflektiert werden. Die Beschränkung auf den eigenen Ort, die eigene Region – wie sie in der Heimatkunde immer noch vorherrscht – muss zwangsläufig zu Fehlinterpretationen führen.

In einer Reihe von Publikationen (darunter mehr als 20 Bücher), in Ausstellungen, zahlreichen Veranstaltungen und Radioarbeiten wurde und wird an die Opfer der NS-Diktatur erinnert: Jüdinnen und Juden, Sinti, Mitglieder der Arbeiterorganisationen, ausländische Arbeiter und Arbeiterinnen, Kriegsgefangene u.a. Aber auch die Täter und Nutznießer der Gewaltherrschaft blieben nicht ungenannt. Für unser Projekt „Zwangsarbeit während der NS-Zeit in der Region Hannover“ wählten wir eine neue Publikationsmethode: Als „work in progress“ werden die Forschungsergebnisse laufend im Archiv auf unserer Internetseite veröffentlicht. Auf diese Weise entstand die umfangreichste Dokumentation der Zwangsarbeiterlager in der Region Hannover.

Um auch im öffentlichen Raum das Andenken an die Opfer wach zu halten, setzte sich der Arbeitskreis Regionalgeschichte für das Anbringen einer Gedenktafel am ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge in Neustadt ein und konnte dieses Anliegen schließlich mit Unterstützung vieler Menschen realisieren. Der Antrag, Straßen in Neustadt nach ermordeten Jüdinnen, Juden und Sinti zu benennen, den 500 Menschen mit ihrer Unterschrift unterstützten, war im Ortsrat der Stadt Neustadt politisch nicht durchzusetzen. Auch die Anregung am Neustädter Schloss eine Gedenktafel für die durch Erich II. gefolterten und ermordeten Frauen und Männer anzubringen, fand keine Mehrheit in den zuständigen politischen Gremien des damaligen Landkreises Hannover.

Der Arbeitskreis Regionalgeschichte unterstützt die Initiative der Weißen Rose Neustadt, ein Mahnmal für die ermordeten und vertriebenen jüdischen Neustädterinnen und Neustädter zu errichten.

Die immer wieder zu beobachtende Verharmlosung der NS-Diktatur und das Wiederaufleben antisemitischer und rassistischer Propaganda sind Gründe genug, die Arbeit fortzusetzen.

Es bleibt noch viel zu tun.

 â€žDas Vergangene ist nie tot; es ist nicht einmal vergangen.“ William Faulkner

 

Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V.

Im Dorn 7, 31535 Neustadt

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