Über uns

Gegen das Vergessen

Weil in den offiziellen Ortschroniken die Zeit des Nationalsozialismus verschwiegen wurde, bildete sich in Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) Anfang der 1980er Jahre ein Arbeitskreis historisch interessierter BügerInnen, die sich mit der tabuisierten Geschichte des früheren Landkreises und der Stadt Neustadt auseinandersetzen wollten. Von Beginn an wurden dem Vorhaben, die NS-Zeit im konkreten ortsbezogenen Rahmen zu erforschen, von offizieller Seite erhebliche Schwierigkeiten gemacht. So wurde der Zutritt zum Stadtarchiv zunächst untersagt, gut besuchte Veranstaltungen an der Kreisvolkshochschule Hannover zum Thema ersatzlos gestrichen und städtische Zuschüsse für Publikationen zur Geschichte der Zeit zwischen 1933 und 1945 verweigert. Also mussten unabhängige Strukturen geschaffen werden: 1994 wurden ein gemeinnütziger Verein und ein Verlag gegründet.

In einer Reihe von Publikationen, zahlreichen Veranstaltungen und Radioarbeiten wurde und wird an die Opfer der NS-Diktatur erinnert: Jüdinnen und Juden, Sinti, Mitglieder der Arbeiterorganisationen, ausländische Arbeiter und Arbeiterinnen, Kriegsgefangene u.a. Aber auch die Täter und Nutznießer der Gewaltherrschaft bleiben nicht ungenannt.

Bald zeigte sich, dass wir uns bei unserer Arbeit nicht auf die Region Hannover beschränken konnten. Das Schicksal der Neustädter Jüdinnen und Juden war vor Ort nicht aufzuklären. Wir folgten den Spuren der aus Neustadt Geflohenen nach Hannover, Bremen, Hamburg, Amsterdam und Auschwitz - um nur einige Orte zu nennen. Zur Aufklärung der geheim gehaltenen Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf reisten wir erst nach Freiburg/Breisgau und dann nach Gernika (Guernica) ins spanische Baskenland.

Um auch im öffentlichen Raum das Andenken an die Opfer wach zu halten, setzte sich der Arbeitskreis Regionalgeschichte für das Anbringen einer Gedenktafel am ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge in Neustadt ein und konnte dieses Anliegen schließlich mit Unterstützung vieler Menschen durchsetzen. Der Antrag, Straßen in Neustadt nach ermordeten Juden und Sinti zu benennen, den 500 Menschen mit ihrer Unterschrift unterstützten, war bis heute im Ortsrat der Stadt Neustadt politisch nicht durchzusetzen.

Der Arbeitskreis Regionalgeschichte unterstützt die Initiative der Weißen Rose Neustadt, ein Mahnmal für die ermordeten und vertriebenen Neustädter Jüdinnen und Juden zu errichten.

Die Forschungsarbeiten aus unserem Projekt Zwangsarbeit in der Region Hannover werden laufend im Archiv auf dieser Internetseite veröffentlicht.

Informationen zur Zwangsarbeit im Raum Hameln finden sich unter http://www.gelderblom-hameln.de/zwangsarbeit/zwangsarbeit.html.

Auch das Bildungswerk Ver.di hält einen Reader und Materialien zum Thema Zwangsarbeit in der Region Hannover bereit. Kontakt: http://www.bw-verdi.de/bildungswerk/hannover/angebote/sonstige/Zwangsarbeit.php

Zwar steht die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in der Region Hannover nach wie vor im Mittelpunkt unserer Forschungs- und Publikationstätigkeiten, doch haben wir uns inzwischen auch anderen Themenbereichen zugewendet.