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Das Skelett in der Jauchegrube
Im Spätsommer 1945 findet der Ahltener Landwirt Friedrich Wiese beim entleeren seiner Jauchegrube einen skelettierten Leichnam, der einen Strick um den Hals trägt. Gerüchteweise handelte es sich um einen polnischen Zwangsarbeiter, der für die Gastwirtschaft Rohde arbeiten mußte. Wer die Mörder des Polen waren und was sie zum Mord trieb, bleibt im Trüben. Klar aber ist, der Mord an dem Zwangsarbeiter ist symptomatisch, denn Zwangsarbeit war mörderisch und sie war keine Erfindung der Nazis.
Schon Ende des 18. Jahrhunderts, zu Beginn der Industrialisierung, wurden in Deutschland Menschen, die sich der Arbeit in den Manufakturen und Fabriken verweigerten in Korrekturanstalten und Arbeitshäuser eingewiesen. In den deutschen Kolonien wurden Ende des 19. Jahrhunderts, Menschen unter massiver Gewaltanwendung zur Arbeit auf den Plantagen gezwungen. Wanderarbeiter aus Polen und Russland wurden während des Ersten Weltkrieges in Deutschland festgehalten und zur Arbeit gezwungen.
Während ihrer zwölfjährigen Gewaltherrschaft, griffen die Nazis auf dieses altbewährte Mittel zurück und errichteten in Deutschland und im okkupierten Ausland ein komplexes Zwangsarbeitssystem.
Allgemein galt für die deutsche Durchschnittsbevölkerung ein eingeschränkter Arbeitsplatzwechsel, für Mädchen und junge Frauen das Pflichtjahr und für Männer neben der Wehrpflicht, das Reichsarbeitsdienstjahr. Deutsche und ausländische KZ-Häftlinge sollten durch Zwangsarbeit umerzogen und - insbesondere Juden - vernichtet werden.
Schon vor dem zweiten Weltkrieg arbeiteten Italiener, Niederländer, Polen und Tschechen in Deutschland. Während des zweiten Weltkriegs mußten etwa 8,4 Millionen dienstverpflichtete und zwangsrekrutierte Zivilarbeiter und circa 4,6 Millionen Kriegsgefangene aus Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, England, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Rumänien, der Schweiz, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Ungarn überall dort arbeiten, wo bedingt durch den Kriegseinsatz deutsche Arbeitskräfte fehlten.
Ab März 1942 koordinierte der von Hitler zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz (GBA) bestellte Fritz Sauckel (1894 - 1946) im Verein mit dem, im September 1943 zum Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion ernannten Albert Speer (1905 - 1981) den Einsatz von Zwangsarbeitern. Sie waren zum größten Teil unter miserablen hygienischen Bedingungen in Lagern untergebracht und hatten unter einer rassistischen Hierarchie, Rechtlosigkeit, mangelhafter Ernährung und unmenschlicher Behandlung zu leiden.
Besonders Kriegsgefangene und Zivilarbeiter aus Polen und der Sowjetunion, die nach den Vorstellungen der Nazis einer minderwertigen Nation angehörten, hatten unter strengsten Regeln, brutaler Behandlung und noch mangelhafterer Ernährung zu leiden. Verstöße wie Arbeitsbummelei, Diebstahl, Sabotage oder gar Kontakte zu Deutschen, besonders sexueller Natur, wurden mit Gefängnis, Zuchthaus, Arbeitserziehungs- und Konzentrationslagerhaft, sowie mit dem Tode bestraft. In Deutschland geborene Kinder von Ostarbeiterinnen und Polinnen wurden gezielt getötet.
Profitiert wurde nicht nur von der billigen Arbeitskraft der Zwangsarbeiter, sondern auch vom Betrieb der Lager. Diese boten Arbeitsmöglichkeiten beispielsweise für Dolmetscher, Verwaltungskräfte, Küchen- und Wachpersonal und waren Abnehmer diverser Produkte.
Ein Teil der Zwangsarbeiter war auch privat bei ihren Arbeitgebern untergebracht. Ein Teil der Lager wurden in der Nachkriegszeit zunächst für die Unterbringung von Displaced Persons, dann von Flüchtlingen aber auch von Arbeitern weitergenutzt.
Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand hat es in der Region Hannover 356 Lager gegeben. In 171 waren Kriegsgefangene, in 73 Zivilarbeiter und in 21 weiteren Lagern, Kriegsgefangene wie Zivilarbeiter interniert. Bei letzteren ist allerdings teilweise nicht klar, ob diese Zwangsarbeitergruppen dort parallel oder nacheinander einquartiert waren. Darüberhinaus hat es neben einem Durchgangslager, auch mindestens ein Lager mit jüdischen Zwangsarbeitern, ein Ausländerwöchnerinnenheim, ein KZ-Außenkommando sowie eine Unterkunft mit sowjetischen Kriegsgefangenen, die sich der Wehrmacht als Flakhelfer angedient haben sollen, gegeben.
Bei weiteren Lagern ließ sich der Status der Insassen bis jetzt noch nicht recherchieren; außerdem ist bei einem Einsatzort nicht klar, ob dieser auch als Lager diente. Zu guter Letzt kommen noch 79 Unterkünfte für Displaced Persons hinzu, die teilweise wohl mit den Kriegsgefangenen- und Zivilarbeiterlagern in den jeweiligen Orten identisch oder private Einzelunterkünfte waren, da ein Teil der in der Landwirtschaft eingesetzten Menschen auch nach Kriegsende noch eine gewisse Zeit bei ihren Arbeitgebern wohnten und arbeiteten. Bei einer dieser DP-Unterkünfte handelte es sich um ein Pflegeheim für ehemalige KZ-Häftlinge.
Anzumerken wäre noch, daß ein Teil der Lager bis in die späten 50er, Anfang der 60er Jahre als Unterbringung von Flüchtlingen genutzt wurde.
Wegen evtl. Überschneidungen, stehen die aufgelisteten Lager allerdings unter Irrtumsvorbehalt.
Der Arbeitskreis Regionalgeschichte ist an weiteren Informationen und Material, wie Fotos, Briefwechsel etc. zu diesen, aber auch noch zu weiteren nicht aufgeführten Lagern und einzelnen Kriegsgefangenen und Zivilarbeitern interessiert.
Inhalt:
Polnische Zwangsarbeiter berichten
Efrossina und Stefan C. - Sowjetische Zwangsarbeiter in Hannover
Kriegsgefangenenmannschaftsstammlager der Wehrkreise X und XI
Das Sondergericht Hannover
Cornelius H.
Lagerführer Nettelroth
Barsinghausen
Burgdorf
Burgwedel
Garbsen
Gehrden
Hemmingen
Isernhagen
Laatzen
Langenhagen
Lehrte
Neustadt a. Rbge.
Pattensen
Ronnenberg
Seelze
Sehnde
Springe
Uetze
Wedemark
Wennigsen
Wunstorf
Grabstätten
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Informationen zur Zwangsarbeit im Raum Hameln finden sich unter: http://www.gelderblom-hameln.de/zwangsarbeit/zwangsarbeit.html.
© Helge Kister, 2010
[1] Aus: Prüße/Diedrich/Lucas, Lebendiges Ahlten. Geschichte(n) eines Dorfes im Großen Freien; 2006
Aus: Zwangsarbeit im Nationalsozialismus am Beispiel von Hannover und Neustadt am Rübenberge; Verdi Bildungswerk, Hannover 2000
Aus: Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen reich und im besetzten Europa 1939 - 1945; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart München 2001
Aus: Anschütz, Janet/Fischer, Stephanus/Heike, Irmtraud/Wächtler, Cordula; Gräber ohne Namen. Die toten Kinder hannoverscher Zwangsarbeiterinnen;VSA-Verlag, Hamburg 2006
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