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Interview mit Herrn S.:
Ich bin als Kriegsgefangener hierher gerutscht.
Wann sind Sie hierher gekommen nach Deutschland? Gleich `39?
So ungefähr `39, 15. November. Auf Arbeitskommando bin ich gekommen, erste, äh nein, nein, falsch ... (lacht verlegen)
Ist nicht so schlimm, wenn Ihnen das genaue Datum nicht mehr einfällt. Aus welcher Region Polens stammen Sie?
Äh, Rzeszów, das ist ...
Einwurf Frau F.:
Krakau!
... hinten Krakau. Auf Arbeitskommando bin ich gekommen den 1. November.
Sind Sie da über Fallingbostel, über das Stalag Fallingbostel gekommen? Können Sie sich da noch erinnern
Nein, nein.
Wo sind sie da eingesetzt worden? Sie haben in der Landwirtschaft gearbeitet?
Landwirtschaft, ... Krottorf. Das ist bei Oschersleben. Bei Gut, bei Rittergut ... Dettmer heißt der, Dettmer jaja und da habe ich ... ja Gott, da müssen Sie mir fragen was ... (lacht)
Wie waren Sie denn dort untergebracht?
Ja, als Kriegsgefangene, da haben uns untergebracht in eine große Saal, da war ein Restaurant und oben war der Balkon. Da war bestimmt vorher Tanz oder was, Treffen oder so was. Wir gewesen 24 Mann. Haben wir geschlafen auf ... haben wir so auf Boden geschlafen. Haben wir Strohsäcke gehabt, voll gestopft mit Stroh, keine Betten. Na, das war aber nicht so schlimm. Und zehn Mann hatten gearbeitet bei Gut, zehn Mann große Bauer, Berge heißt das und vier Mann bei Bauer, kleine Bauer.
Können Sie ein bisschen was über Ihren Tagesablauf erzählen? Sie sind abends immer in das Lager ...?
Ja morgens haben wir aufgestanden. Wir Kriegsgefangene, da war zwei Wachmann bei uns auch. Da haben sie Stube gehabt, ja. In Fenster war Stacheldraht kann man sagen. Das war nicht so streng. Kann man runtergehen zu Restaurant. Kann man bisschen was kaufen, Zigaretten oder so was. Das war schon nicht verboten. Und sonst haben wir aufgestanden, ist zwei Mann früh morgens gegangen mit Wachmann zu Küche hatte schon zum Essen, Frühstück ...
Das war die Küche auf dem Gut? Die war beim Lager?
Nein, nein nicht beim Lager. Da muss man gehen vielleicht ... wie viel ... dreihundert ja zweihundert Meter kann man sagen zur Küche. Und nachher nach dem Frühstück hat uns der Wachmann gebracht zur Arbeit. Von Anfang an da war er schon bei uns gewesen den ganzen Tag ... dem Inspektor war ein bisschen schlecht. Einmal wir sind gekommen zur Arbeit auf Hof. Inspektor sagt, Du gehst zu da, Du gehst in Kuhstall, Du gehst zum Pferdestall, Du gehst auf Boden, zum ...
Zum Heumachen?
Ja, ja. Du gehst zum Gärtner und die ganzen zehn Mann hatte er schon auseinandergeschickt und der Wachmann ist wieder zu seine Stube gegangen.
Haben Sie jeden Tag eine andere Arbeit gemacht oder waren sie immer für feste Arbeiten eingeteilt?
Nein, manchmal ... da war die Zeit, da war Zuckerrüben im Herbst. Kartoffelroden, da haben wir gesammelt, aber vielleicht nur zwei, drei Wochen. Und nachher jeder hatte eigene Arbeit. Ich glaube, ich habe Pferde gekriegt zuerst. Ein Mann ist nach Polen, so eine Knecht mit seiner Familie auf einen Bauerhof, den hat er da gekriegt, da habe ich die Pferde gekriegt. Da habe ich manchmal zusammen gearbeitet mit anderen Leuten auf dem Acker oder so was, aber auch Glück gehabt und viel alleine gearbeitet. Der Inspektor hat mich manchmal alleine losgeschickt mit der Mähmaschine oder mit das oder das. Hat er mir ein paar Leute gegeben. Da bin ich selbstständig gewesen (lacht).
Was sind Sie denn von bürgerlichem Beruf gewesen, bevor Sie Soldat geworden sind?
Ich komme auch vom Land.
Also war das für Sie keine Umstellung?
Ach, das machte mir nichts, mit Pferden umgehen und auf dem Land. Ich bin auf dem Land aufgewachsen.
Wurden Sie gefragt, was Sie vorher für Arbeit getan haben oder wurden Sie willkürlich eingesetzt?
Nein, das hat keiner gefragt. Da war schon von uns paar Mann von der Lande aber andere von Fabrik gewesen. Aber da haben uns geschickt vom Lager. Mein Lager war Altengrabow. Das ist nicht weit von Magdeburg. Altengrabow XI A heißt das. Da hat keiner gefragt. Da hieß es, raustreten aus dem Saal.
Wir schon in Altengrabow gewesen noch nicht ganz zwei Wochen. Und einmal da waren wir schon zum Kaffeetrinken gegangen. Da musste man nach unten, wo die Feldküche gestanden hatte, da im Lager. Und nachher einmal frühmorgens, raustreten! Einer kam später, der war dann nicht gewesen in der Reihe, in zwei Reihen. Dann kommt der Wachmann eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs ... zehn. raustreten! Und weiter auch das selbe wieder zehn für den Bauern. Raustreten! Die vier Mann wie ich sagte, waren beim kleinen Bauern, sind später gekommen, paar Wochen später. Der Bauer sich gemeldet und wollen sie haben Aber nachher, ich weiß nicht ob wir zu spät oder zu früh aufgestanden, waren da fremde Leute, als wir zum Arbeitskommando kamen. Ich habe schon meine Kollegen gehabt im Lager in Polen. Das war in einer Kirche (lacht). Und sonst waren das alles fremde Leute für mich. Wir mussten in eine Reihe treten. Wir haben nicht gewusst was passierte. Vielleicht wollten sie was sagen und wieder in die Stube gehen.
Wie sind sie behandelt worden, wie war die Ernährung, wie waren die hygienischen Verhältnisse im Lager? Also erstmal im Stammlager und später dann ...?
Im Stammlager haben wir gekriegt Lindekaffee frühmorgens einen halben Liter und eine Scheibe Brot bekommen. Und nachher einen halben Liter Suppe mittags. Das war ein bisschen zuwenig, wir hatten Hunger. Da war schon alles ausgehungert wie die Wölfe.
Der Ärger war schon fremde Leute. Wir haben das nicht gewusst. Da kommt dann ein Trecker mit zwei Hängern, da waren Strohballen drauf und wir mussten da rauf. Das haben wir nicht gewusst mit Bekannten kann man zusammenhalten.
Sie sind ja dann so willkürlich zusammengewürfelt worden. Sind Sie dann trotzdem mit den Leuten ausgekommen?
Ja, da sind wir angekommen. Da hat man uns schon zum Essen gebracht, Suppe vom Gut und vom Bauern Barke.
War die Ernährung auf dem Rittergut besser oder hat sich das nichts genommen?
Bei Gut? Das war verschieden. Einmal so, einmal so.
Erster November, das war ein Sonntag, wir sind am Sonnabend gekommen. Da kam der Inspektor und sagte, dass wir freiwillig zum Kartoffelbedecken gehen sollten. Da sind wir zu neunt gegangen, einer ist da geblieben.
Dann haben wir die Kartoffeln mit Stroh und Erde abgedeckt und haben uns die Taschen mit Kartoffeln vollgemacht (lacht) und als wir in die Stube zurückkommen hatten sich die anderen die Taschen mit Zuckerrüben vollgestopft. Wir hatten einen großen Ofen zum Heizen und haben die ganze Nacht die Kartoffeln und Zuckerrüben gebraten und haben die geteilt. Wir haben von den Barke-Leuten Zuckerrüben bekommen und die von uns Kartoffeln. Die Wachleute haben nichts gesagt, haben sie gelacht (lacht). Bei Gut gearbeitet, war nicht so schlimm, muss ich sagen. Haben wir auch Karten gekriegt für Essen. Die Mamsell war eine gute Frau, die hat uns manches gute Essen gekocht. Die von der Barke war was anders. Wenn mir das Essen nicht geschmeckt hat, habe ich es getauscht mit den Leuten vom großen Bauern. Zusätzliches Brot haben wir für die Lebensmittelkarten bekommen. Wenn wir mittags noch Hunger hatten ... Zum Frühstück haben wir zwei Scheiben Brot bekommen und nachmittags Vesper, kann man sagen. Wenn wir rausgingen habe ich das immer weggeputzt.
Wie lange mussten Sie insgesamt Zwangsarbeit leisten, bis `45? Oder sind sie vorher entlassen worden?
Nein, bis `45, bis der Krieg vorbei war. Aber sie haben mich gewechselt bei Firma.
Sie haben auch in der Industrie gearbeitet?
Ich habe bis `43 gearbeitet auf dem Gut. Und im April, das war im Frühjahr, sind wir gegangen auf das Feld. Der Frost war schon bisschen weg. Der Boden so weich, da haben wir gestreut Dünger auf das Feld. Ich glaube, wir haben gestreut eine halbe Stunde, da kam der Inspektor und sagte, Stanislaus komm, da wartet einer auf Dich!
Hat er sich umgedreht und ist weggegangen. Ich denke, Was ist los mit Dir? Der immer hat mich gelobt. Der hat mir, wenn er morgens keine Zeit zum Essen, immer sein Frühstück gegeben. Hatte er Angst gehabt nach Hause zurückzubringen, dass Frau schimpft. Ich komme schon nach Platz, da steht dort eine Lieferwagen und ein Herr. Da kommt die Frau aus Büro. Hat mich hingebracht. Sie sagte, der wartet auf Dich, ihr fahrt weg. Da steht eine Mann, fängt mit mir an zu reden, fahren Sie mit mir nicht weit von hier. Ich habe meinen Koffer reingepackt und hingesetzt. Das war nicht weit, dritte Dorf. Da war eine Dampflokfirma. Mit Dampfmaschine hat schon der Pflug gezogen mit Seil. Nachher habe ich schon gehört, warum ist das passiert. Da war schon bei uns gewesen ein Schmied aus Polen, der war mit seiner Familie, mit zwei Kindern. Das Gut hatte aufgebaut unverständlich und der sollte da arbeiten. Der Chef hat mich dann geholt zu Dampflok ... kann man sagen, der Führer war das von der Firma. Der hatte schon geholt vom Arbeitsamt Schlosser, Dreher und einen Schmied für Werkstatt. Der Dettmer, der auf Gut gearbeitet, der hat gebraucht Hilfe für den Schmied. Der hatte die unverständlich aufgebaut und wollte selbst Pferde beschlagen und alles reparieren. Da war auch eine Schmied, da haben wir hingefahren Pferde beschlagen...darum hatte er mir umgetauscht. Ich weiß nicht wie das passiert ist. Na Gott, das war nicht zu weit, dritte Dorf ... Ich war nachher zufrieden. Da hatte mir besser gefallen (lacht).
Ich habe noch eine Frage. Nach Kriegsende, sind Sie da nach Polen zurückgegangen oder sind sie hier geblieben?
Nein, nein, hier geblieben.
Und was waren Ihre Beweggründe hier zu bleiben?
Weiß ich nicht, konnte ich nicht wissen.
Aber sie sind hier geblieben?
Hier geblieben. Ich weiß nur so. Kann man sagen, der Krieg war zu Ende. Da haben also gewartet die Leute, haben Radio gehabt und gehört was da passiert ist in Polen. Fahren, nicht fahren? Da haben sie London angestellt in polnischer Sprache oder Polen und haben alles gehört, was ist passiert. Fahren, nicht fahren?
Einwurf Frau Z.: Haben wir alle gedacht von Regen in die Traufe fallen, dann bleibt man bei Regen.
Ja ... Meine Meinung. Ich habe schon nicht gedacht in Deutschland bleiben. Bleiben keiner, was gedacht. Da waren schon hier viele Leute von uns von Pommern, Posen. Alles im Militär gedient. Hatte schon Hitler alle mitgenommen. Da waren unten die Deutsche. Nachher wenn Krieg zu Ende, da sind gekommen zu uns ins Lager und haben selbst gesagt, hier nichts mehr ... Da haben Sie alles weggefahren nach Polen. Aber wir haben anders gedacht, da sind die Kommunisten ... Und nachher ist es zu weit gewesen.
Interview mit Frau F.:
`40 nach Deutschland gekommen ... verschleppt ...
Von der Straße weg?
Von zu Hause.
Von wem, von Soldaten?
Ja, Bürgermeister angekommen mit Liste, mit Männer in Zivil. Weiß ich nicht, was das für eine ... Deutsche natürlich. Musste ich mit.
Wie alt waren Sie da?
Sechzehn.
Und dann sind sie nach Deutschland gekommen, wohin?
Nach Deutschland sind wir gekommen zu Magdeburg, Arbeitsamt. Und da haben sie, die Bauern schon gewartet auf diese Leute.
Wie ging das vonstatten? Sie wurden da angeguckt?
Erst einmal mussten wir gegen Arzt gehen. Mussten wir ausziehen, auf den Stuhl hinstellen, nackt. Alles beguckt, alles. Ich habe Knie kaputtgemacht. Ich bin runtergefallen. Und da hat er mich gefragt, was ist das? Da war Dolmetscher. Ich habe gesagt, ich hab gefallen und verletzt. Nun ja, gut. Beguckt hin und her mit Stock. Und denn Bauer hat ausgesucht welche. Der Bauer hat gesagt diese zwei Mädchen. Ja mich, Sabine mit Vater. Ja, zwei Mädchen und eine Mann. Hat er uns genommen.
Sind Sie auf dem Lande groß geworden? Hatten Sie Erfahrung mit Landarbeit?
Ja, im Land bin ich geboren. Ja, habe ich schon wissen müssen, Wissen gehabt. Bisschen meiner Mutter was geholfen. Mein Vater früh gestorben. Meine Mutter war Witwe mit drei Kindern. Da habe ich schon diese Jahre was getan, für sie, für die Familie. Und dann sind wir gekommen zu Bauern. Das war unser Zuhause, mussten wir arbeiten.
Und wo war das da genau?
Bei Magdeburg, Wefensleben. Nicht weit von der Grenze. Hat er ja noch mehr Arbeiter geholt.
War das ein Gut oder ein kleiner Bauer?
Nee, war große Bauer.
Und was haben Sie da genau machen müssen?
Alles. Kühe melken, Schweine füttern, Holzhacken im Winter, auf dem Feld, alles was anliegt haben wir gemacht, alles. Und Essen, Schnittchen, nee, haben wir selbst gekauft. Wir haben gekriegt Lebensmittelkarten. Ein Brot für ganze Woche.
Wo haben Sie denn die Lebensmittel dann abgeholt? Die haben Sie von dem Bauern gekriegt?
Nee, im Geschäft.
Aber Sie haben auf dem Hof gewohnt? Sie waren nicht in einem Lager untergebracht?
Ja, im Bauernhof.
Wie viele Zwangsarbeiter haben auf dem Hof gearbeitet?
Oh, wie viel war das? Eine Familie war das. Zwischen war auch deutsche Frauen, wo die Männer waren an der Front ... Zwangsarbeiter waren wir ... fünf Stück ... Da haben wir alles schwer Arbeit gemacht. Mist rausgetragen, Schweine, Kühe melken und alles. Und mit Essen was haben wir gekriegt, so eine Gläschen Marmelade für ganze Woche, eine Brot. Ich weiß nicht wie viel war das, ein Pfund vielleicht. Aber wir hatten den Bäcker gehabt, eine ganz gute. Der hat uns immer geholfen mit Brot. Zuletzt, immer gesagt. Bis zuletzt warten bis niemand da, dann hat er uns gegeben.
Haben Sie Geld für Ihre Arbeit bekommen?
Direkt keine Geld gekriegt. Aber haben wir gekriegt, wenn er kleine Ferkel verkauft. Er hat viel gehabt. Da haben wir so ein Taschengeld oder was. Von jedem Ferkel 50 Pfennig haben wir gekriegt. Und kleine Kälbchen auch, wenn er das verkauft. Alle mussten wir das pflegen. Da konnten wir uns kaufen. Haben wir ein bisschen geklaut auch, Kartoffeln. Wenn wir gekocht für Schweine Kartoffeln, in so einem großen Kessel, haben wir uns in Tasche genommen Kartoffeln. Was soll man machen? Haben wir Milch gemolken, haben wir auch getrunken. Das hat uns geholfen alles. Ja, das war unser Überleben. Sonst war es schlecht.
Sind Sie von dem Bauern eingekleidet worden oder mussten Sie selber Sachen mitbringen?
Nichts. Das was wir haben angehabt und haben wir was von deutschen Frauen gekriegt. Und sonst, Säcke haben wir gehabt. Diese Säcke war zum ausziehen und diese Faden, da haben wir uns gestrickt was wir zum anziehen. Und Schuhe, Schuhe ganz aus Holz haben wir gekriegt. Und Beine bis jetzt krank von diese Schuhen. Die Knochen und so eine dicke Haut. Da kann man nichts machen. Da muss man jetzt so leben. Diese Schuhe und da Erde war, war schwer. Diese Holzschuhe, wenn wir nach draußen gegangen Beispiel Miststreuen und so was. Die Schuhe waren so dick, konnten wir gar nicht hoch Beine, weil so geklebt. Die Klebe war da schwer, so leimig. Wenn nass war, konnten sie die Schuhe gar nicht hochheben. Erstmal musste man das abkratzen. Erst dann konnte man einen Schritt weiter gehen. So schwer war das, das Holz. Wenn ich heute die junge Leute sehe, tun sie nichts. Was wir mit zwanzig Jahre was für Arbeit wir gemacht. Und mit Essen was wir gehabt. Scheibe Brot mit Marmelade und das war bis Mittag. Musste man leben mit das. Ein bisschen Suppe, Kartoffeln bisschen geschält, bisschen Zwiebeln rein und trockene Mehl auf dem Pfanne und dann haben wir so eine Soße gemacht. Ohne Fett nur mit Wasser. Bisschen Mehl verbrannt, so Mehlschwitze und in Suppe rein. Das war unsere Essen, das war unsere Mittag. Drei Monate war ich auch in Fabrik.
Wo?
In Schönebeck.
Was war das genau für eine Fabrik? Was mussten Sie für Arbeit verrichten?
Das war Munitionsfabrik. Mit so `ne irgendwie, ich weiß nicht wie soll man das sagen, so was mit Phosphor.
Brandbomben vielleicht?
Ja, so was haben wir gefüllt. Drei Monate musste Bauer abgeben.
Wie war dort die Versorgungslage und haben sie da in einem Lager leben müssen?
Ja, in Baracken.
War das bewacht?
Ja, durch Bewaffnete mit Hunden. Nach drei Monaten hat Bauer wieder rausgeholt.
Wie war dort die Versorgung?
Auch genauso schlecht. Durch die Bomben konnte man die ganze Nächte nicht schlafen.
Wie sah das aus wenn ein Bombenangriff kam? Hatten Sie die Möglichkeit in einen Luftschutzkeller zu gehen?
Jaja, wir mussten gehen.
Wie sind Sie auf dem Bauernhof und in der Fabrik behandelt worden?
Nun ja, von Bauer kann ich nichts Schlechtes sagen. Er hat nur geguckt und weggegangen. Arbeit muss stehen.
Sie sind nicht misshandelt worden?
Nein, nein, ich nicht. Aber welche auch. Welche haben sie auch gekriegt. Aber ich, Gott sein Dank, nicht was abgekriegt. Zur Kirche mussten wir gehen, mussten wir von Bürgermeister eine Schein holen. Erstmal einmal im Monat.
Was war das für ein Schein?
Erlaubnis, dürfen wir zur Kirche gehen. Einmal im Monat. Dann mussten wir „P“ haben, festgenähte. Wenn er geguckt und das mit Sicherheitsnadeln, dann auf die Fresse gekriegt. Muss fest sitzen. Nicht jedes Mal abnehmen, wenn zwischen die Leute. Haben sie schräg geguckt. In der Straßenbahn manchmal. Wie ich war in Fabrik, wenn ich wollte zu meine Bekannte fahren, musste ich „P“ wegnehmen sonst in Straßenbahn hätten Sie mich rausgeschmissen. Ein Mann hat mich auch rausgeschmissen, von Straßenbahn. Dann habe ich gewartet und bin ich in nächste reingegangen und weitergefahren. Wie die Menschen waren? Musste man alles riechen mit Nase. Wer kann mir helfen? Manchmal eine Fahrkarte kaufen. Mensch, wer kann das machen? Kriegst Du nicht, kannst Du nicht fahren. Dann hat man gefragt, können Sie mir eine Fahrkarte da und da kaufen?
Und wie waren die Reaktionen?
Haben wir gemerkt, wie wer geguckt, wer das abgenommen. Manche haben geguckt, nee. Musste man weiterfragen. Andere haben sie gar keine Wort gesagt. Wo wollen Sie hin?
Wie war das Verhältnis, sind sie mehr auf Ablehnung gestoßen?
Ablehnung! Mancher hat nicht viel gesagt und nur gefragt, wo wollen sie hin? Da habe ich gesagt Wefensleben. Hat mir Karte gekauft, hat mir Karte gegeben. Gibt auch welche solche ...
Das heißt auf Grund der Ernährung oder der zu wenigen Ernährung, was Sie eben beschrieben haben, haben Sie natürlich in der Zeit auch eine ganze Menge abgenommen?
Ja, ja.
Wie war die Behandlung durch das Personal in der Fabrik? Haben sie dort mit Deutschen zusammengearbeitet?
Nein, das waren alles Zwangsarbeiter.
Welche Nationalitäten?
Alles. Polinnen, Russen, Ukrainer, alles, alles.
Wie ging denn die Verständigung vonstatten?
Es geht.
Mit Händen und Füßen?
Jaja, mit Händen und Füßen.
Einwurf Herr S.: Mit Russen, Ukrainern kann man so sprechen. Ich weiß nicht ob die das konnten. Die haben russisch gesprochen, wir polnisch. Das ist so gegangen (lacht).
Und die Behandlung dort?
Die Behandlung? Ich war auch verletzt an Füßen, an Händen. Mit so ein giftiges Zeug hatte ich Entzündungen an den Händen gehabt. Bin dann zu Arzt gegangen. Hat er abgerissen und alles so, ohne Betäubung. Geschmiert was, zugebunden und weiter Arbeit. War keine Krankheit, krankgeschrieben.
Es gab keine Möglichkeit für Sie zu warten, bis die Wunden verheilt waren? Keine Krankenbaracken oder so etwas?
Nichts, nichts ...
Wenn das eine Munitionsfabrik war, gab es da irgendwelche Sabotageaktionen?
Das haben wir nicht gemerkt. Ich habe das nicht gemerkt. Das war vielleicht für kurze Zeit.
Einwurf Herr S.: ... Ich hatte schon eine Freund gehabt und der ist im KZ gelandet. Da bei dem Gut, wo ich vorher gearbeitet habe. Auf dem Lande war ein amerikanisches Flugzeug angeschossen und da musste er landen. Das zweite hat so gekreiselt und er ist rausgegangen, geguckt und da hat er gewunken, der Pilot der sollte wegfahren. Die Leute da haben sie gearbeitet auf der Wiese. Die ganze Leute von der Gut. Da war gerade Zeit für das Heu. Und der konnte nicht wegfahren und da haben sie die Leute, der Dettmer auch da, haben sie ihn totgeschlagen. Der konnte nicht mehr weiterfliegen. Da haben sie ihn, der Dettmer auch, totgeschlagen. Mein Freund hatte ein bisschen geschimpft, und lassen Sie ihn frei. Dafür haben sie ihn ins KZ gesteckt.
In welches KZ ist er gekommen?
Einwurf Herr S.: Oh Gott, wo war das? Das weiß ich nicht. War in Fallingbostel vielleicht. War in Fallingbostel? ... Da war er im KZ gelandet und, hat er erzählt, hat er in Munitionsfabrik gearbeitet. Da hat er erzählt, da haben sie gefälscht, die Gefangenen. Haben sie die nicht richtig gemacht, da konnte nachher nichts explodieren. Das haben sie viel gemacht.
Naja, wir waren Frauen, das haben so was nicht gemerkt.
Einwurf Herr S.: Der Schmied was ich von erzählt habe, der hatte schon eine kleine Mädchen gehabt. Die war schon zwölf Jahre oder so was. Das Mädchen ist nachher hingegangen auf dem Grab, wo haben sie begraben den Piloten und die Blumen getragen. Da haben sie auch ins KZ gesteckt, das Mädchen.
`40 habe ich auch noch von Bauer gekriegt ein Stückchen Butter und halbes Liter volle Milch. Und nachher war verboten den Zwangsarbeitern Butter geben und Vollmilch. Abgezogene Milch, halbe Liter, durften wir kriegen. Aber Butter darf man nicht, ab `41. Aber wir Milch getrunken, das war nicht so schlimm.
Einwurf Herr S.: Da war verboten, mit deutsche Frau was zu tun haben. Wenn wir sind gekommen Gefangenschaft zuerst, da war schon nach paar Monat ... Kommt der LKW, heute gehen Sie nicht zur Arbeit, bleiben Sie auf Hof , ja der Wachmann ... Da kommt der Trecker mit zwei Hänger. Da haben wir eingestiegen. Da haben uns hingebracht. Da steht schon Galgen da ... Alles von rum hatte Gefangene alles da hingebracht. Da haben Sie zwei Mann gehangen. Da haben sie erzählt, da haben sie mit der deutsche Frau zu tun gehabt und haben sie ihn aufgehangen. Sollten wir ein bisschen gucken, sollten wir Angst haben (lacht), sollen wir nicht machen.
Naja, die Männer sind hingegangen. Bei uns genauso. Zwei Männer aufgehängt ... Deutsche Frauen, haben sie selbst schuld gehabt. Was sind sie hingegangen zu diese Männer ...
Was ist mit den Frauen passiert?
Die sind verhaftet auch. Was ist passiert, weiß man nicht. Aber junge Männer aufgehängt.
Wie ist es Ihnen nach Kriegsende ergangen? Sind sie in Deutschland geblieben?
Ja ... Ich hatte kein Zuhause zurückzufahren. Ich hab Angst gehabt. Wir junge Menschen in fremde Land ganze Zeit, mit fremde Leute zu tun und immer mit Angst dazu. Ganze Leben haben wir immer Angst gehabt. Die ganzen fünf Jahren Angst vor Bomben, Angst zu Hause. Musste man früh aufstehen zu Arbeit. Haben wir alle immer mit Angst gearbeitet. Und nachher wenn alles zu Ende, das war auch Angst. Haben auch nicht gewusst wo soll man hingehen, wie soll man das Leben überhaupt regeln. Und nachher haben wir gesagt, vielleicht wandern wir aus. Aber diese Wanderung war auch schwer. Haben sie gesucht nur gesunde Leute, aber wir schon waren nicht mehr so gesund. Haben sie auch gesucht nur zu Arbeit ... So sind wir geblieben. Ich war Lungenkrank auch ... Kranke Leute, wo soll man fahren ... müssen wir hier leben...
Einwurf Frau Z.: Da war in Polen nicht so gut bei Deutsche, war nicht so gut. Kirche, oder da draußen einkaufen oder so ... durfte gar nicht. Einkaufen, in Laden gehen ...
Haben wir alles überlebt. Meine Bauer immer hat gesagt, wir sind reiche Leute. Hat gesagt, Veronika wenn der Krieg vorbei, kannst Du immer bei uns bleiben. Du bist eine Sklavin ...
Einwurf Herr S.: Das sind verschiedenen Leute. Manche geglaubt sie gewinnen den Krieg (lacht). Das haben sie geglaubt. Manche haben sie nicht geglaubt. Das kenne ich solche Leute auch. Ach, manche haben sie geglaubt, Gottogott.
... Wenn sie eine Mann aufgehängt im Dorf, nicht Mann von uns. Da mussten alle Männer hingehen ... aber nicht diese zwei Männer von Frau, sondern eine Mann, wo die Frau hat geklaut für sein Kind Milch. Und das Bauer gesehen und wollte diese Frau schlagen ... da hat er geholt Wachmann und haben sie diese Mann so verprügelt und diese Mann hat auch nicht zugegeben ... Wachmann auch hier ganze Knöpfe abgerissen. Da haben sie ihn aufgehängt. Sechs Wochen vor Krieg vorbei ... In Eisleben. Da mussten alle Männer hingehen. Mein Bekannter auch musste gehen ... War wütend Bauer. Vielleicht haben sie schon gemerkt das Krieg zu Ende, oder so was. Er war so wütend und hat den Mann geschickt. Mussten sie gehen vorbei und gucken, wie er hängt. Und er von Feld gekommen und hat Pferde da festgemacht so wie immer gemacht. Und diese Pferde da abgerissen und das andere Pferd hat sich so verletzt im Stall. Er musste das Pferd abliefern ... und sagte, wie hast Du das gemacht, warum diese Pferd abgerissen? Das war junge Pferde, ganz jung. Er sagt, so wie immer gemacht das ... Da wollte er ihn schlagen ... Da hat er Wachmann geholt mit Pistole und hat ihn so geschlagen meinen Bekannten. Der war ganz schwarz. Wir haben gedacht er stirbt ... Er hat doch keine Schuld gehabt. Aber diese Wut war. Haben wir gemerkt das Krieg geht zu Ende. Und dann noch das, diese Mann müssen sie aufhängen. Das haben sie irgendwie gespürt, das was nicht in Ordnung ist. Haben sie Wut gehabt, haben sie diesen Mann so geschlagen. Dann Amerikaner gekommen, sagt er, er war noch richtig krank, sagt er, hier hast Du Waffe, kannst Du ihn gleich erschießen ... Er hat nicht gemacht und die Frau sagte, Gottes Willen, will keine Mörderin sein. Nichts, er ist gesund, Gott sei Dank. Jaja, so war das.
Interview mit Frau Z.:
Ich war nicht in Deutschland als Zwangsarbeiter, nur in Polen als Zwangsarbeiter, bei deutschen Bauern. So fünfzig Kilometer von ... von deutsche Grenze und von meinem Haus fünfzig Kilometer. Zuerst musste ich im Wald arbeiten. Und, äh, eines Tages kam ein Auto und haben die ganze junge Leute verschleppt.
Sozusagen von der Straße weg ...?
Alle, alle, von der Straße. Auch von zu Hause. An diesem Tage habe ich gerade im Wald gearbeitet. Wir haben die kleinen Bäume gepflanzt und das alles, ne. Und habe ich paar mal, drei mal vom Arbeitsamt gekriegt Bescheid, ich muss zum Arbeitsamt. Zweimal habe ich nicht reagiert. Habe ich dem Förstermann gezeigt die Schreiben, sagt er, Du brauchst nicht hin. Aber ich habe zuletzt Angst gekriegt. Dann bin ich zum Arbeitsamt gegangen. Dann musste ich gleich zu dem Bauern, mit einer Begleitung, gleich zu dem Bauern hin. Aber der Bauer hat mir noch zwei Tage Zeit gegeben, ich soll zurück nach Hause, ich soll meine Klamotten holen. Und dann habe ich da gearbeitet von Juli 1941 bis 22. Januar 1945.
Wie alt waren Sie?
Ich war 20 Jahre, wo ich zum Bauern kam, `41. Da war ich auch zwanzig. Und da habe ich gearbeitet Jahre. Da war nur die Frau, die Chefin. Der Mann war bei SA. Und da war noch alte Oma. Der Bauernhof war so zwei Kilometer vom Dorfe, so auf dem Land. Weit von Häuser und so. Und das ganze Land war immer rundrum. Und die Wiesen waren weiter, da musste ich arbeiten. Da war noch ein Bengel von 15 Jahren. Der hat mit den Pferden gearbeitet und ich auch mit den Pferden. Mussten umgraben wir das Land, pflügen, was nicht alles. Der Bauer kam nur wenn er gesät hat. Der hat ab und zu Urlaub gekriegt, ist er gekommen. Da habe ich ganze Jahre da gearbeitet. Ja, Essen, Essen war ganz schlimm da. Wir haben morgens nur zwei Scheiben Brot gekriegt mit Marmelade und dann auf das Feld. Den ganze Tag nur auf dem Feld. Roggen, der Bengel, mit der Sense hat er gemäht. Da waren 40 Morgen. Hinterher musste ich binden dies. Dann mussten wir wieder aufstellen. Andere Leute, die sind schon nach Hause gegangen. Wir sind bis 10 Uhr. Mussten wir auf dem Feld alles machen. Dann nach Hause fünf Kühe melken. Zuerst musste ich erst mal lernen. Paar mal ist mir die Kuh in den Eimer getreten und dann kam Kontrolle. Milch haben wir immer abgegeben. Da hat die geschimpft auf mich, die Chefin. Kontrolle kam von Milchfabrik. Das war nicht rein die Milch. Da habe ich eine geklatscht gekriegt, dann hat sie sich beruhigt. Naja, und dann die Schweine. Das Futter kochen, Kartoffeln darein. Am schlimmste war im Frühjahr der Dung von den fünf Kühen. Da waren die Kühe schon bald an die Decke. Ich musste auf den Wagen schmeißen und der Bengel die Fuhre auf Feld ... Das war schwere Arbeit. Die Kühe haben doch das festgetrampelt. Das konnte man doch gar nicht da rausziehen.
Einwurf Frau F: Säge. Ich habe das auch gemacht ...
Das haben wir die ganze Woche, das war nicht ein Tag.
Einwurf Frau F: Haben wir geschnitten mit Säge in so ne Stücke und das mussten wir alles rausziehen ...
... und auf den Wagen dann, ne.
Haben Sie jemals Geld für Ihre Arbeit erhalten, alle drei, oder gar nichts?
Zwölf Mark habe ich gekriegt.
Im Monat?
Im Monat zwölf Mark
Das haben Sie auch ausbezahlt gekriegt?
Das haben sie gegeben, ab und zu.
Einwurf Herr S.: Bei mir war besser. Jede Woche zehn Mark.
Den Sommer einmal haben wir, Franz war schon sechzehn dann. Sag ich, weißt Du was die Ecke machen wir nicht mehr. Ich muss noch Schweine füttern, die Kühe melken, wir gehen nach Hause. Ich bin nach Hause gegangen, da hatte der Chef da sein Urlaub. Da mussten wir noch mal um zehn Uhr im Juli, wo Ernte war, auf den Feld gehen. Noch mal was da war binden. War nicht leicht die Arbeit und Essen. Der war bei SA. Da kamen viele Besuche. Da war der Schinken auf dem Tisch, da war alles auf dem Tisch. Oh ich möchte auch mal gerne so Schinken probieren. Und dann haben wir einmal Stückel abgeschnitten. Da war keiner da. Da habe ich noch heute Andenken. Da habe ich gleich in den Daumen reingeschnitten. Weil wir das nicht gesehen haben, Kuchen oder Schinken, oder Wurst. Das haben wir nie gesehen ... Die ganze Jahre habe ich da nur gearbeitet auf dem Feld, die Rüben ... Von den Rüben die Blätter abmachen, auf die Karre und dann wieder klein schneiden für die Schweine. Sonntag musst ich die Kühe hüten. Sonst hat die Oma das immer gemacht. Die war schon achtzig Jahre.
Sie haben auf den Hof direkt gewohnt, oder waren Sie ...?
Nee, auf dem Hof. Ich hab so `n kleine Zimmer gehabt. Da war kein Ofen, da war nur ein Bett. Und das war ... Um fünf Uhr musste ich aufstehen und Feierabend war elf Uhr, bis man ins Bett kam.
Sie sagten eben am Anfang, Sie sind vom Arbeitsamt mit Begleitung dorthin gebracht worden. Was war das für eine Begleitung?
Von den Arbeitsamt eine, aber in Zivil war er, weiß das nicht was das ...
Und wie sah das überhaupt bei Ihnen allen mit der Bewachung aus in der Zeit? Wie sind Sie bewacht worden?
Bei Bauer?
Ja.
Nein.
Gar nicht?
Ja. Ich habe einmal Butter geklaut. Weil wir alleine, eine Kuh stand uns zur Verfügung, für die Bäuerin. Da haben wir uns selber Butter gemacht. Und ich habe mir so ne Tasse voll gemacht, weil ich habe nie Butter gesehen. Und habe ich so ne Truhe gehabt, wo meine Butter da versteckt. Und sind wir in den Waldï€ Klamotten waren. Habe ich die gefahren von Tanne diese Nadeln als Streu für die Schweine. Ich sag, Hans bring mir Handschuhe mit, weil das so kalt war. Hab vergessen, dass die Butter da versteckt. Komm ich nach Hause, die Butter steht, ein Messer und ein Stück Brot. Franz sag ich, warte wenn Du nach Hause kommst, musst Du mal sehen. Da hat er mir, gerade hat er Urlaub gehabt. Der war nicht weit von da, da hat er mir gedroht mit KZ. Hat er mir so geschimpft, wollte er mir eine ... Der Junge hat paar Mal gekriegt, der Bengel, weil die Pferde sind ausgerutscht auf dem Eis. Sagt er, Kascha, hast Du Hunger, warum sagst Du nichts. Ja ich sag, ich möchte auch einmal Butter probieren, wie die Butter schmeckt. Hat er sich beruhigt ... kommst Du in KZ. Bin ich die ganze Zeit gearbeitet. Nach Deutschland gekommen bin ich so. Da war `45. Wir sind den 20. Januar in die Stadt gefahren, wollten Schweine verkaufen ... Wir kommen zurück. Kascha, Kascha, mach schnell Feuer wir müssen das große Schwein schlachten. War nur die Oma, der Junge und ich. Die Chefin und so. Haben sie die Schweine nicht mehr verkauft. Sagten sie, die Russen kommen schon an. Was machen wir jetzt. Ich hab schnell das Wasser von dem Kessel wo wir Kartoffeln ... das war so `n Kippkessel, großes, für die Schweinekartoffeln ... Wasser reingemacht. Die hat einen Bengel von anderem Bauern da geholt, der hat schnell das Schwein geschlachtet. Haben wir alles in so `ne Tonne reingemacht, so `ne Holztonnen, ne, und ihre Klamotten. Und so sind wir den 20. Januar noch weggefahren ... Da sind wir gefahren. Von 22. Januar bis 28. März waren wir unterwegs ... Da sind wir gekommen bis nach Osterburg ... Da musste ich noch bis Mai auf so `nem Gut, habe ich noch zwei Monate da gearbeitet. Und dann war Schluss ...
Wenn Sie krank geworden sind, während Sie Zwangsarbeit geleistet haben, hatten Sie medizinische Versorgung?
Ich war niemals krank. Aber nach dem Krieg war ich krank. Musste ich den Dung da auf dem Feld rausschmeißen, auseinanderstreuen. Das hat so geregnet. Ich war durchgenässt. Bin ich krank geworden und erst nach `48 habe ich gemerkt. Musste ich zum Röntgen. Sonst war doch nichts, kein Röntgen, kein gar nichts. Habe ich TB gehabt, habe ich im Sanatorium gelegen, Bad Münder... Hab mir so die Krankheit vom Bauern auch geholt. War immer nass. Ob Regen oder nicht, musste immer arbeiten. Darum bin ich auch nicht nach Polen gefahren, weil ich meine Gesundheit hier verloren habe. Wär ich auch nicht gefahren zurück. Habe ich auch keinen gehabt. Meine Mutter alleine war schon so alt auch.
Sie hatten da keine Regenkleidung oder so was?
Ach was, nein. Wissen Sie was ich für Schuhe gehabt habe? Das waren Holzschuhe. Unten Holz und oben war wie so Leinen oder so was. Einmal in den vier Jahren habe ich Schuhe gekriegt, einmal.
Die haben Sie von dem Bauern gekriegt?
Die habe ich auf Bezugsschein gekriegt. Wo wir geflüchtet sind nachher mit dem Bauern, da haben wir die Punkte erstmal gekriegt für Essen. Sonst haben wir die nicht gesehen. Ja die Arbeit war schwer, wirklich. Und das Essen, wenn die haben geschlachtet und alles in Dosen gemacht oder in Gläser. Wenn das Glas offen gegangen ist, dann haben wir die gekriegt zum probieren. Und Essen in Küche, aber nicht mit dem Chef da zusammen. So bin ich nach Deutschland gekommen.
Und diese Bauern, bei denen Sie gearbeitet haben, das waren Deutsche, die haben dann in Polen ...?
Die waren Deutsche. Ja, ja Deutsche. Die haben das alles gelassen da. Ich habe nachher nach dem Krieg erfahren, sind welche gekommen, ich weiß nicht ob Polen oder wer das gekriegt hat ...
Einwurf Frau F.: Haben sie alles von Osten, von Osten da von Russland, Bessarabien oder wie heißt die deutsche ... ? Sind sie alle hier in diese Gegend ... haben sie Landwirtschaft gekriegt, angesiedelt ...
Aber doch im Krieg, im Krieg!
Einwurf Herr S.: Ich habe doch erzählt, ich bin schon die erste Pferde gekriegt. Der Knecht, der ist nach Polen gefahren auf Bauernhof. Da haben sie ihm bestimmt ... Ich weiß nicht wie das passiert, da habe ich die Pferde gekriegt, jawohl.
Ja und meine Tante auch. Die haben sie rausgeschmissen, weil Deutsche ...
Einwurf Frau F.: Da waren sie fünf Jahre da und nachher wenn der Russe kommt sind sie alle weggelaufen wieder.
Einwurf Herr S.: Ja nachher war schlecht, da haben sie weggelaufen. Ach Gott, da waren schon solche Sachen gewesen, ach ja.
An dem Tag wo ich noch zum Bauern gekommen bin, im Juli `45, da haben sie einen Polen aufgehangen, weil der mit einer deutsche Frau sich befreundet hat. Das wollte ich noch sagen, das habe ich vergessen. Da mussten wir alle hin. Das war auf so einem Schulplatz. Die Kinder waren nicht mehr da. Haben sie ihn auf dem Baum aufgehangen. Mussten alle, die was gearbeitet haben bei den Deutschen, hingehen gucken.
Weil er ein Verhältnis hatte mit einer Deutschen?
Mit einem deutschen Mädchen, ja. Da haben sie ihn aufgehangen ... Jaja.
Wie sind sie denn hier, als sie nach Deutschland gekommen sind, von der deutschen Bevölkerung aufgenommen worden?
Ach das haben wir gar nicht gemerkt. Die haben gedacht ich bin Deutsche oder was. Da war kein Unterschied. Ich bin doch nicht Deutsche, nur Polin. Aber ich hatte ... gar nichts. Wir sind gekommen, ja. Kamen auch gleich die Amerikaner wo wir sind hier ... Die Amerikaner kamen, glaube ich, den 8. April nach Osterburg. Ich war nur zwei Monate, habe ich da noch gearbeitet ... Meine Tante, die haben alleine so, die Polen haben alle so kleine Häuschen gehabt. Und das war ein großes Gut, die haben da gearbeitet. Seine Proviant, oder weiß ich nicht was. Gewohnt haben sie in einem Haus und haben da gekocht und so. So `ne Baracken waren die Häuser, Baracken, ja. Ich habe da nichts gemerkt, dass ich vielleicht Pole oder so, nein. Das „P“ habe ich natürlich nicht getragen, habe ich versteckt immer. „P“ mussten wir immer tragen. Wo wir bei Deutsche waren, da musste ich ja. Da war so eine Fabrik, die sind alle da gerannt. Ich konnte da gar nicht rein, weil da so viele Leute. Und mein Onkel steht und hatte „P“. Und ein Deutscher geht zu ihm und sagte, mach das Schild weg, sonst kommst Du gleich ... Mein Onkel der hat manchmal schon was gekriegt von die Deutschen. Die Hunde wollten erschießen ihn. Der hat schon Grab gemacht, in Polen.
Was war der Grund?
Der Grund war so. Wo wir geflüchtet sind `39. In Polen sind wir geflüchtet von unserem Dorf weiter nach Posen die Richtung. Die Deutschen haben sich wohl versteckt oder was, oder weggelaufen. Die ganzen Häuser standen leer da und der hat sich so einen Wagen, so einen Wagen zum ziehen hat er mitgenommen. So einen Handwagen für die Kleine. Das Kind war wohl zwei Jahre alt. Für das Kind. Das war so ein Holzwagen, wie Bauern manchmal haben auf dem Hof. Und da haben sie gleich nach dem Krieg Kontrolle auf dem Hof und in den Häusern gemacht. Und da haben die den Wagen gesehen. Und mein Onkel war gerade auf dem Feld. Da haben sie die Jungs noch geholt. Der hatte Loch schon gegraben. Die wollten ihn erschießen. Aber da kam meine Tante, das Kind hatte sie auf den Arm genommen. Und der Deutsche hatte noch ein bisschen Herz gehabt und sagte, ich lasse Dein Leben, ich habe auch so ein Kind noch zu Hause. Aber eine Fuhre Heu musste er hinbringen paar Kilometer zu seinem Bruder. Naja, Deutsche in Polen waren auch nicht so gut. Wo Krieg war meine ich jetzt. Die haben uns gehasst ... [1]
© Helge Kister, 2009
[1] Die Interviews mit dem ehemaligen polnischen Kriegsgefangenen Herrn S. und den ehemaligen Zivilarbeiterinnen Frau F. und Frau Z. wurden am 14.04.2004 von Alfred Weese und Helge Kister in der Polnischen Katholischen Mission in Hannover geführt. Auf eine sprachliche Glättung der Antworten wurde aus Authentizitätsgründen verzichtet. Worte bei denen Zweifel an der Rechtschreibung besteht, sind kursiv gesetzt. Unverständliches ist dementsprechend gekennzeichnet und ebenfalls kursiv gesetzt.
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