|
Die genaue Anzahl aller in der Region Hannover ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter ist nicht mehr zu ermitteln, die Todesursache in vielen Fällen nicht mehr rekonstruierbar. Den vorhandenen offiziellen Todesursachen sollte mit Skepsis begegnet werden. Neben mehrfachen Umbettungen hat es auch, trotz der Klassifizierung als Kriegsgräber, Einebnungen von Gräbern gegeben. Diese Seite führt nur Friedhöfe auf, auf die Umbettungen aus den dokumentierten Ortschaften erfolgten. Alle noch in den einzelnen Gemeinden existierenden Gräber, sind auf den jeweiligen ortsbezogenen Seiten aufgeführt. Auch die Namen der umgebetteten Personen, so überliefert, finden sich dort.
Hannover
Eventuell hat es einige Umbettungen aus Laatzen auf die Kriegsgräberstätte des Seelhorster Friedhofs gegeben. [1]
Steimbke-Lichtenhorst
Das östlich von Nienburg, im gleichnamigen Landkreis gelegene Dorf liegt mitten im trockengelegten, abgetorften Lichtenmoor und ist nur über eine, auf einem buckligen Damm angelegte, von Birken gesäumte Straße zu erreichen. Die saftig erscheinenden Weiden sind von Busch- und Bauminseln bewachsen. Hier und da steht ein Aussiedlerhof. Die Landschaft ist karg. Die Abgeschiedenheit dieser Gegend strahlt eine Idylle aus, die allerdings trügerisch ist.
Biegt man im Ort nach Osten in die Landstraße Richtung Zingel ein, stößt man schon bald linkerhand hinter dem Heyer-Hof, auf ein bemoostes grün-gelbes Schild mit der Aufschrift Kriegsgräberstätte. Hinter dem schmalen grasbewachsenen Seitenstreifen, befindet sich der Eingang eines etwa ein Meter breiten und vielleicht zwanzig Meter langen, durch zwei mannshohe Hecken gebildeten Ganges. Er führt auf die von einem Zaun, Büschen und Bäumen umgrenzte, aus dem Ersten Weltkrieg stammende Kriegsgräberstätte.
Schon während dieses Krieges wurden hier 3000 bis 6000 belgische, britische und russische Kriegsgefangene sowie Zivilinternierte zu Moorkultivierungsarbeiten eingesetzt. Das zwischen 1914 und 1924 betriebene zweigeteilte Kriegsgefangenenlager befand sich auf dem Grundsstück der heutigen Heyerschen Mühle an der Landstraße 192. Es bestand aus 26 Baracken die von einem drei Meter hohen Stacheldrahtzaun umfriedet waren. Die Wachmannschaft bestand aus bis zu 300 Personen. Ab 1921 hatte der Landwirt Heinrich Heyer den Kantinenbetrieb des Lagers übernommen. Bezahlt wurde mit einem eigens eingeführten Lagergeld. Während des zweiten Weltkrieges mußten etwa 45 belgische und französische Kriegsgefangene auf Bauernhöfen im Ort arbeiten. Wieder war das diesmal aus einer Baracke bestehende Lager auf dem Grundstück des Landwirtes Heyer errichtet worden.
Aus dem zweiten Weltkrieg stammende Kriegsgefangenenbaracke östlich der Kriegsgräberstätte gelegen
Auf der Kriegsgräberstätte liegen die sterblichen Überreste von 112 Menschen, Kriegsgefangene wie Zivilarbeiter, Frauen wie Männer. Insgesamt 31 Polen und 80 Sowjetbürger wurden auf zehn aus rotem Wesersandstein gefertigten Stelen verewigt. 61 von ihnen namentlich. Der jüngste dreizehn, der älteste 45 Jahre alt. Ein Teil von ihnen wurde umgebracht. 26 Polen und 72 Sowjetbürger sind am 21. Oktober 1961 aus dem Landkreis Hannover nach Steimbke-Lichtenhorst umgebettet worden.
Polen- und Russengräber
Bei den namentlich bekannten Polen handelt es sich um:
Josef Bednarek (†28.09.1941)Stanislaus Broda (†25.11.1944)Dora Fedina (17.03.1917 - 19.06.1944)Johann Gajewski 28.06.1915 - 06.08.1944)Jakob Gebski (†06.09.1907)Stanislaus Hofmann (10.11.1911 - 21.11.1943)Jedrzcjewski (28.06.1925 - 07.09.1944)Tadäus Kapinski (25.04.1925 - 06.06.1944)Wladislaw Karbowski (05.11.1919 - 18.10.1943)Josef Kosak (16.03.1910 - 24.11.1944)Katharina Kosak (13.10.1914 - 23.11.1942)Maria Krajehan (31.03.1905 - 28.12.1942)Ignaz Kröl (08.04.1945)Peter Krzimiers (07.09.1944)Alexander Chaplinskimecsielaw Kukula (06.02.1909 - 07.04.1945)Florian Kuwalski (28.03.1913 - 09.04.1945)Helene Macieweska (09.09.1909 - 17.03.1945)Waclaw Mlazek (25.08.1902 - 10.04.1945)Josef Muchala (29.12.1931- 08.04.1945)Jan Poslaski (24.08.1916 - 08.04.1945)Stanislawa Rokoca (07.07.1915 - 14.03.1945)Alexander Sculz (27.11.1916 - 10.08.1942)Stanislaus Stepanski (13.08.1899 - 16.04.1945)Sudykarseni (20.05.1911 - 22.04.1941)Nikolaus Urban (17.12.1900 - 21.06.1945)Josef Wacha (14.01.1911 - 16.04.1945)Anna Zapezinsky (19.12.1917 - 27.06.1944)Johann Zielinski (03.05.1942)Czeslaw Zwolinski (10.05.1910 - 18.04.1945)
Bei den namentlich bekannten SowjetbĂĽrgern handelt es sich um:
Jako (†17.04.19459Philip (†17.04.1945)Fedor Artschakow (†12.09.1942)Badgadsewjan (†30.11.1942)Anton Beckhondt (16.02.1910 - 07.04.1945)Paul Bogdanow (†01.09.1942)Peter Bormosen (†13.04.1945)Josef Borydyko (†04.09.1942)Brodkow (†17.09.1942)Stefan Chiznak (01.08.1897 - 09.04.1943)Fonum Chlawe (13.07.1928 - 24.04.1942)Stephan FelinskiAlexander Gerassinow (†10.09.1942)Gregor Gorbatschow (29.12.1025 - 21.11.1944)Grigorichochlow (†16.04.1942)Kostinin (†29.12.1942)Eugen Kowalewa (†28.11.1944)Peter Krimbewitsch (08.05.1920 - 26.04.1945)Stephan Krukow (†22.04.1945)Iwan Malitschin (29.08.1879 - 20.10.1918)Mgatschan (†30.12.1942)Semen Migas (†20.09.1942)Minenko (06.01.1923 - 22.02.1944)Iwan Patrik (25.10.1906 - 28.12.1942)Semen Riabsewisch (1906 - 03.04.1945)George Rudjak (1914 - 12.09.1942)Tamara Samojewa (25.06.1928 - 26.02.1945)Andre Schilkow 1(†7.04.1945)Dimitri Sidorenko (1920 - 18.12.1942)Skowarzow (†17.04.1945)Tiplinski (†12.09.1942)
Ab Ende der 1950er Jahre arbeiteten wieder Gefangene im Lichtenmoor. Diesmal handelte es sich um bis zu 30 Strafgefangene der Justizvollzugsanstalten Hannover und Celle I. [2]
Heemsen
In der Nähe der am nordwestlichen Ortsrand gelegenen alten Heemser Mühle, befindet sich eine Kriegsgräberstätte auf der 746 sowjetische Kriegsgefangene beerdigt wurden. Bis auf mindestens zwei Sowjetbürger deren Status ungeklärt ist und die aus Engelbostel hierher umgebettet wurden, verreckten die Rotarmisten in der Stalag X C - Lazarett Zweigstelle Rohrsen an Krankheiten und Unterernährung. Das von 1941 bis 1945 dem Stalag X C Nienburg unterstellte, auch als Sterbelager Heemsen bekannte Zweiglager, bestand aus 26 Holzbaracken und war für eine Belegung mit 500 Personen gedacht. Es war zwischen den Ortschaften Heemsen und Rohrsen auf einem Grundstück gelegen, das heute vom Post- und Fliederweg, der Walsroder Straße/B209 und dem Tannenweg umrahmt wird. Die Baracken wurden nach dem Krieg zunächst noch für die Unterbringung von schlesischen Flüchtlingen genutzt. Nach ihrem Abriß wurde hier eine Einfamilienhaussiedlung errichtet. Am Tannenweg sind noch der Eingangsbereich und ein Teil der Lagerstraße an ihrer ungewöhnlichen Breite erkennbar. [3]
© Helge Kister, 2009/2010
[1] Aus: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933 - 1945 und das Präsidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (Hrsg.); Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Niedersachsen II Regierungsbezirke Hannover und Weser-Ems, Pahl-Rugenstein Verlag 1986
[2] Sandsteinstelen Kriegsgräberstätte Steimbke-Lichtenhorst
Rechnung Steinmetzarbeiten für die Kriegsgräberanlage Lichtenhorst von Natursteinbetrieb Krause GmbH, Hannover an den Regierungspräsidenten in Hannover, 17.12.1962; Nds. 120 Hannover Acc. 103/85 Nr. 61 Niedersächsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover
BĂĽrgermeister von Stemmen, 5.5.1946, St 0193 Stadtarchiv Barsinghausen
Gemeinde Stemmen, 23.10.1949; St 0193 Stadtarchiv Barsinghausen
Kriegsgräber, Zwangsarbeiterlisten; St 0193 Stadtarchiv Barsinghausen
Familienbuch Nr. 3/43, Standesamt Stemmen; St 0193 Stadtarchiv Barsinghausen
Aus: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933 - 1945 und das Präsidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (Hrsg.); Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Niedersachsen II Regierungsbezirke Hannover und Weser-Ems, Pahl-Rugenstein Verlag 1986
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/thumbnails.php?bestand=10660&id=94 6265&syssuche=&logik=
[3]http://www.heemsen.de/internet/page.php?naviID=906000013&site=906000028&typ=2 &rubrik=6000004
Aus: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933 - 1945 und das Präsidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (Hrsg.); Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Niedersachsen II Regierungsbezirke Hannover und Weser-Ems, Pahl-Rugenstein Verlag 1986
|