Gehrden

Ditterke

In einem FachwerkgebĂ€ude auf dem Garben-Hof, frĂŒher Haus Nr. 5 - heute Erich-Garben-Straße 1, war ein  russisches Kriegsgefangenenarbeitskommando untergebracht, das dem Stalag XI B in Fallingbostel unterstellt war. Vor dem GebĂ€ude, das nachts bewacht wurde, war ein kleiner Hofraum mit Stacheldraht abgetrennt. Die 25 bis 30 Rotarmisten mußten Arbeiten fĂŒr den Garben-Hof verrichten. Sie wurden zu ihrem Einsatzort hin- und auch wieder zurĂŒckbegleitet und wĂ€hrend der Arbeit kontrolliert. Das Lager durften sie nur mit Genehmigung verlassen. [1]

 
Garben-Hof, 2010 [2]

Der SowjetbĂŒrger Peter Krimbewitsch (08.05.1920 - 26.04.1945) wurde aus Ditterke nach Steimbke-Lichtenhorst umgebettet. [3]

 

Everloh

60 französische, 20 italienische und 20 polnische Zivilarbeiter waren im Restaurant KrĂŒger, in der heutigen Nenndorfer Straße 35, einquartiert. Sie mußten bis zu 13 Stunden tĂ€glich fĂŒr die Dynamit AG in Empelde arbeiten, die sie ohne Begleitung per Autobus erreichten. Die mit einem Werksausweis versehenen Arbeiter konnten sich in ihrer Freizeit außerhalb des Lagers bewegen. [4]

In einem Saal der GaststĂ€tte Bergquelle, neben dem WasserbehĂ€lter auf dem Benther Berg gelegen, lebten ca. 120 italienische Kriegsgefangene. Sie mußten im Schichtbetrieb arbeiten. Als Einsatzorte sind neben der Dynamit AG in Empelde, noch die Maschinenfabrik Niedersachsen und Körting in Hannover angegeben. Die GaststĂ€tte wurde bei einem Luftangriff auf das Wasserreservoir, am 10. November 1943 vollstĂ€ndig zerstört. Der deutsche Wachmann und sieben der 60 anwesenden Italiener wurden getötete, 50 weitere wurden verletzt. Der Bestattungsort der Toten ist unbekannt. [5]

Auf dem zwischen Everloh und Benthe an der heutigen B 65 gelegenen Rittergut Erichshof  wurden ab 1941 zunĂ€chst französische Kriegsgefangene, spĂ€ter dann polnische und ukrainische Zivilarbeiter zur Arbeit eingesetzt. Ob beide Zwangsarbeitergruppen auch auf dem Hof lebten, ist zur Zeit noch unklar. [6]

 

Gehrden

Im Restaurant Schöne Aussicht waren 60 bis 70 französische Zivilarbeiter untergebracht. Das GebĂ€ude soll unbewacht gewesen sein. Die Franzosen fuhren ohne Begleitung mit der Straßenbahn zu ihren Arbeitsstellen bei der Hanomag in Hannover und der Dynamit AG in Empelde. Sie mußten auch Sonntags arbeiten. Nach Feierabend durften sie sich außerhalb ihrer Unterkunft bewegen. [7]

Ebenfalls 60 bis 70 französische Zivilarbeiter waren im Restaurant WaldschlĂ¶ĂŸchen einquartiert. Auch dieses Lager war unbewacht. Diese Franzosen mußten ebenfalls einschließlich Sonntags fĂŒr die Hanomag und die Dynamit AG arbeiten, fuhren mit der Straßenbahn zu den Werken und durften sich nach Feierabend außerhalb des Lagers bewegen. [8]

Keine genauen Angaben gibt es zum Einsatzort eines belgischen sowie eines aus 60 Russen bestehenden Kriegsgefangenenarbeitskommandos des Stalag XI B Fallingbostel, die in der Weetzener Straße in einem SteingebĂ€ude mit Holzverschlag untergebracht waren. Der Bau war mit Stacheldraht eingezĂ€unt und wurde dauernd von einem bewaffneten LandesschĂŒtzen bewacht. Die Gefangenen gingen in Begleitung zu ihren ArbeitsstĂ€tten. [9]

In der Neuestraße 1 lebte der Belgier Josef De L. mit seiner HaushĂ€lterin, deren Mutter und einem Kind. Er wohnte 1949 immer noch in Gehrden und arbeitete als landwirtschaftlicher Arbeiter auf dem Gut Franzberg. [10]

Auf dem Gehrdener Friedhof sind vier sowjetische Zwangsarbeiter begraben. [11]

 

Lemmie

Aus Lemmie wurden drei unbekannte SowjetbĂŒrger nach Steimbke-Lichtenhorst umgebettet. [12]

 

Leveste

Der Saal der GaststĂ€tte Behnsen - frĂŒher Haus Nr. 22, heute Hauptstr. 28 - wurde als Quartier fĂŒr ein etwa 55-köpfiges, dem Stalag XI B Fallingbostel unterstelltes Kriegsgefangenenarbeitskommando genutzt. 70 % waren französische, 30 % belgische Kriegsgefangen die in der Landwirtschaft arbeiten mußten. Vor dem Saaleingang war ein etwa 100 qm großer Hofraum mit Stacheldraht eingezĂ€unt. Nachts wurde das Lager von einem LandesschĂŒtzen bewacht. Die Gefangenen mußten u. a., wie Stanislaus Dobjes in Göxe, etwa neun Stunden tĂ€glich bei landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten, zu denen sie von einem LandeschĂŒtzen begleitet wurden. WĂ€hrend der Arbeiten fanden Kontrollen statt. Ohne Genehmigung durfte das Lager nicht verlassen werden. Ob es sich hierbei um das Kriegsgefangenenarbeitskommando 1031 gehandelt hat, ist noch zu klĂ€ren. [13]

 Gasthaus Behnsen, 2008 [14]

Außerdem arbeiteten hier 30 polnische Zivilarbeiter und eine neunköpfige tschechoslowakische Familie fĂŒr eine Außenstelle des von der Familie Ausmeyer in Eckerde gepachteten Rittergutes II. [15]

 

Northen

Das ebenfalls dem Stalag XI B Fallingbostel unterstellte Kriegsgefangenenarbeitskommando 1026 war im Restaurant Lampe untergebracht. Die etwa 30 Personen bestanden je zur HĂ€lfte aus Belgiern und Franzosen, die 12 Stunden tĂ€glich im Handwerk und in der Landwirtschaft arbeiten mußten. Auch dieses Lager war mit Stacheldraht umzĂ€unt und wurde dauernd bewacht. Sonntags wurde nicht gearbeitet und zeitweise durften die Gefangenen das Lager verlassen. [16]

 

© Helge Kister, 2010



[1] Foto 3 Nr. 556 (Archiv de Service des Victimes de la Guerre, BrĂŒssel) NiedersĂ€chsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover

Datenbank sowjetische Arbeitskommandos, Stiftung NiedersÀchsische GedenkstÀtten

[2] Fotoarchiv des Autors, Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V.

[3] Aus: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933 - 1945 und das PrĂ€sidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (Hrsg.); Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu StĂ€tten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945,   Niedersachsen II Regierungsbezirke Hannover und Weser-Ems, Pahl-Rugenstein Verlag 1986

Sandsteinstelen KriegsgrÀberstÀtte Steimbke-Lichtenhorst

[4] Foto 3 Nr. 563 (Archiv de Service des Victimes de la Guerre, BrĂŒssel) NiedersĂ€chsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover

[5] Aus: Bertram, Otto/Deiters, Herrmann/Wilhelm, Hans-Erich; BeitrÀge zur Chronik des Dorfes Benthe, Ronnenberg 1990

Aus: Hauptmeyer, Carl-Hans (Hrsg.); Everloh. BeitrÀge zur Ortsgeschichte, Everloh 1987

GesprÀch mit Frau D.; Degersen, 14.06.2010 und 02.07.2010

[6] ebd. Hauptmeyer

[7] Foto 3 Nr. 567 (Archiv de Service des Victimes de la Guerre, BrĂŒssel) NiedersĂ€chsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover

[8] Foto 3 Nr. 568 (Archiv de Service des Victimes de la Guerre, BrĂŒssel) NiedersĂ€chsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover

[9] Foto 3 Nr. 569 (Archiv de Service des Victimes de la Guerre, BrĂŒssel) NiedersĂ€chsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover


Datenbank sowjetische Arbeitskommandos, Stiftung NiedersÀchsische GedenkstÀtten

[10] Foto 3 Nr. 580 NiedersÀchsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover

[11] Aus: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933 - 1945 und das PrĂ€sidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (Hrsg.); Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu StĂ€tten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945,   Niedersachsen II Regierungsbezirke Hannover und Weser-Ems, Pahl-Rugenstein Verlag 1986

[12] ebd.

Ferner: Sandsteinstelen KriegsgrÀberstÀtte Steimbke-Lichtenhorst

[13] Foto 3 Nr. 867 (Archiv de Service des Victimes de la Guerre, BrĂŒssel) NiedersĂ€chsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover

Anonymus; Göxe, 15.09.2008

Aus: Arbeitskreis Geschichte Garbsen (Hrsg.); Ein unrĂŒhmlicher Fall - Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Frielingen; Garbsen 1995

[14] Fotoarchiv des Autors, Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V.

[15] Lohnbuch Rittergut II Eckerde, Privatarchiv der Familie Ausmeyer

[16] Foto 3 Nr. 871 (Archiv de Service des Victimes de la Guerre, BrĂŒssel) NiedersĂ€chsisches Landesarchiv Hauptstaatsarchiv Hannover

NummernschlĂŒssel der Arbeitskommandos des Stalag XI B Fallingbostel, nach Rolf Keller; Stiftung

Aus: Arbeitskreis Geschichte Garbsen (Hrsg.); Ein unrĂŒhmlicher Fall - Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Frielingen; Garbsen 1995